Primarschule Uster
Die Frage, wie sich Smartphones und andere digitale Medien auf Kinder auswirken, wird intensiv erforscht und diskutiert. Die Primarschule Uster führt ab August 2025 eine einheitliche Regelung ein. Parallel dazu planen die Stadt Uster und einige Gemeinden des Bezirks Uster eine Sensibilisierungskampagne.
Konzentrationsschwierigkeiten, Bindungsstörungen oder eine verzögerte Sprachentwicklung: Wenn Kinder zu früh oder übermässig digitale Medien nutzen, kann dies negative Folgen haben. Gerade in der frühen Kindheit können Defizite in der Entwicklung entstehen, die später kaum mehr aufzuholen sind. Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Kinderärztin Katharina Müller-Weber.
Die Primarschulpflege, die Fachstelle Frühe Kindheit der Stadt Uster und die Schulleitungskonferenz der Primarschule Uster haben deshalb verschiedene Massnahmen beschlossen. «Wir haben zwei Ziele», sagt Patricia Bernet, Stadträtin und Primarschulpräsidentin. «Wir wollen Eltern und Bezugspersonen über die möglichen Folgen digitaler Medien auf die Entwicklung von kleinen Kindern informieren. Und wir wollen den Kindern im Kindergarten und in der Primarschule ein Lernumfeld bieten, wo sie sich wohlfühlen und sich gut entwickeln können.»
In allen Schuleinheiten müssen die Smartphones und internetfähigen Geräte bereits heute ausgeschaltet in der Tasche sein. Jedoch werden Regelverstösse unterschiedlich behandelt: «Mit verschiedenen Regelungen stiften wir Verwirrung», sagt Gesamtschulleiter Markus Zollinger. «Aus diesem Grund hat die Schulleitungskonferenz eine einheitliche Regelung beschlossen, die ab dem Schuljahr 2025/26 in allen Schuleinheiten der Primarschule gelten wird.»
Kern der Regelung ist das Verbot von Smartphones und anderen internetfähigen Geräten auf dem ganzen Schulareal. Eine Arbeitsgruppe diskutiert derzeit jedoch, ob für den Pausenplatz, den Hort oder die Musikschule besondere Regelungen gelten sollen. Die Primarschule informiert Eltern und Kinder rechtzeitig vor dem Start des Schuljahres 2025/26 über alle Neuerungen. Diese Information enthält auch den Umgang mit Regelverstössen.
Die Primarschule will mit dieser Massnahme insbesondere den sozialen Austausch in der Pause fördern und Problemen wie Cybermobbing oder Streitereien entgegenwirken. «Der Einsatz von Laptops und Tablets im Unterricht wird weiterhin gemäss Lehrplan 21 und Präventionskonzept der Primarschule Uster erfolgen», sagt Markus Zollinger. «Digitale Medien sind ein wichtiger Teil unseres Alltags und die Kinder müssen einen gesunden Umgang damit lernen.»
Kinder nutzen Smartphones oft ausserhalb der Schulzeit intensiv. Da andere Kinder ein Gerät besitzen, erhöht sich der Druck auf Eltern und Kinder, mitzumachen. Mit der freiwilligen Unterzeichnung der Verzichtserklärung bestätigen die Eltern, dass ihr Kind bis zum Ende der Primarschule kein eigenes Smartphone oder anderes internetfähiges Gerät (Smartwatch, Tablet etc.) erhält. Dieses gemeinsame Vorgehen entlastet und stärkt die Eltern und Kinder. Die Elternratspräsidien unterstützen die Verzichtserklärung. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet die Umsetzung.
Auch die Stadt Uster nimmt sich dem Thema an. Mit einer Kampagne will sie Eltern und Bezugspersonen von Babys und Kleinkindern über mögliche Folgen des Konsums digitaler Medien in der frühen Kindheit sensibilisieren. «Wir sehen im Kindergarten und in der Schule zunehmend Entwicklungsdefizite» sagt Patricia Bernet. «Da diese kaum mehr auszugleichen sind, müssen wir im Vorschulalter ansetzen.»
Kinder sollen bis zum Alter von vier Jahren ohne digitale Medien aufwachsen. «In dieser Altersspanne lernen Kinder vor allem aus der Interaktion mit anderen Kindern und mit Erwachsenen sowie im freien Spiel», so Patricia Bernet. Auch ein bewussterer Umgang der Eltern mit dem Smartphone ist ein Ziel der Kampagne, da sie für das Kind eine wichtige Vorbildfunktion haben.
Die Kampagne wird gemeinsam mit Gemeinden im Bezirk Uster umgesetzt.